14 Mai 2016

die uralte Metropole 2 - Lilith von Christoph Marzi





Wir schreiben das Jahr 1920. Die junge Eliza Holland reist mit ihrem Bruder Tom nach Ägypten, um Howard Carter bei seinen Ausgrabungen zu helfen. Sie entflieht damit den Zwängen und Forderungen der britischen Gesellschaft und genießt vor einer Ehe mit ihrem Verlobten,  Arthur Holmwood,  noch einmal die Freiheit.

Howard Carter träumt davon, ein bisher unentdecktes Grab voller Reichtümer zu finden und so zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Doch was er findet ist ein Grab mit einem Hinweis auf einen Mann Namens al-Vathek.
Dieser al-Vathek ist eine Legende, ein reicher Kaufmannssohn, der am Hof des Pharao gelebt haben soll. Doch auch in späteren Jahrhunderten finden sich in der Geschichte immer wieder einen Hinweise auf diese mysteriöse Figur. Während Howard Carter in Ägypten bleibt, begeben sich Eliza und Tom auf die Spuren al-Vatheks. Sie hoffen, seine Reiseaufzeichnungen und somit einen Hinweis auf das Grab des Tu-Ankh-Amens zu finden. Ihr Weg führt sie nach Prag und von dort weiter  in wilde und kaum bewohnte Gebiete. Dort widerfährt ihnen Schreckliches. Sie werden von Vrolok angegriffen, wilden Wesen, die früher einmal Menschen waren, sich aber nun vom Fleisch und Blut der Menschen ernähren. Ein Biss der Vrolok ist ansteckend und verwandelt den Gebissenen ebenfalls in  Vroloks. Das Opfer verliert  alles menschliche und wird zu einer reißenden Bestie. Eliza, Tom und einige ihrer Gefährten werden gerettet und ihr Retter ist niemand andere als der legendäre al-Vathek selber. Er rettet den Geschwistern zwar das Leben, doch er verwandelt sie in Wiedergänger, so wie er einer ist. Eliza und Tom müssen sich mit ihrem Schicksal abfinden und alle Brücke hinter sich abbrechen, jeglichen Kontakt zu ihren Liebsten meiden. Über die Jahre lassen sie sich in London nieder und Eliza eröffnet ein Antiquitätengeschäft. Dort lernt sie Emily kennen, die nichts von Elizas wahrem Wesen ahnt und sie wird ihr eine gute Freundin.

Doch plötzlich tauchen die Vroloks in London auf, angeführt von der Wiedergängerin Carathis. Sie ist auf der Suche nach ihrer Tochter, von dessen Blut sie sich nähren will. Denn nur das Blut der eigenen Nachfahren schenkt den Wiedergängern  Jugend und ewiges Leben.

Die vier Freunde stellen sich der neuen Gefahr, die der uralten Metropole droht, entgegen und stoßen dabei fast an die Grenzen ihrer Kraft.

Kommentar:

Lilith wurde von dem Träumer dazu verflucht, Dämonen zu gebären. Einst schenkte sie Carathis das Leben und nur Lilith kann Crarathis das Leben wieder nehmen. Doch Lilith ist zu Staub zerfallen, sie opferte sich, um den Lichtlord zu retten. Doch wie sagte einst Lucifer zu Emily:  Niemand stirbt jemals für immer.  Während sich Aurora und Master Micklewhite nach Konstantinopel begeben, um den Höllenforscher Pickwick zu finden, bleiben Emily und Wittgenstein in London, um dort Hilfe zu finden. As die beiden Reisenden jedoch auf dem Weg von Konstantinopel nach Paris plötzlich verschwinden, begeben sich das Mädchen und ihr Mentor nach Paris, um ihre Freunde zu finden.

Beeindruckend ist, wie der Autor die Bezeichnung Vampir vermeidet. Hier sind es Wiedergänger, die unerkannt mitten unter den Menschen leben. Trotzdem zieht Christopher Marzi hier eine Parallele zu Bram Stokers Dracula. Auch dort hieß der Verlobte von Lucy, einem Opfer Draculas, Arthur Holmwood. Dieser Arthur Holmwood begab sich damals mit Jonathan Harker und van Helsing nach Transsylvanien und war an der Vernichtung Draculas beteiligt.  Das gleiche Land, in dem Tom und Eliza zu Wiedergängern wurden.

Wir treffen auch in Band zwei wieder viele alte Bekannte aus den Mythen, Märchen und Legenden unserer Zeit. Lilith und Lucifer, die wir schon aus Band eins kennen, der Vogel Rok, Isis, Osiris und Seth, Wilkie Collins und natürlich Howard Carter, den berühmten Entdecker des Grabes von Tut Anch Amun. Marzi gelingt es wieder hervorragend, diese einzelnen Geschichten zu einem großen Ganzen zu verknüpfen, spannend von der ersten bis zur letzten  Zeile.

Wir erfahren mehr über LIlith und ihre Vergangenheit, eine wanderlbare Figur, die in vielen Erscheinungen die Bühne betritt und ein sehr ambivalentes Wesen besitzt. Nur ihre Liebe zu Lycidas ist ewig.

Auch hier ist es wieder so, dass Freunde zu Verrätern und Feinde zu Verbündeten werden. Jede Figur besitzt ungeahnte Tiefen ,  niemand ist eindimensional oder langweilig. Die teilweise ambivalenten und gut herausgearbeiteten Charaktere faszinieren den Leser und ziehen ihn in ihren Bann.  Wittgenstein, altmodisch wie eh und je, Emily, eine Wanderin zwischen den Welten mit Aurora an ihrer Seite und Maurice Micklewhite, dessen innerstes Wesen in diesem Band erschüttert wird. Und wieder steht das Alte gegen die moderne Welt, teilweise meint der Leser, sich im viktorianischen London zu befinden, doch immer wieder wird ihm bewusst gemacht, dass die Geschichte im Hier und Heute spielt. Der Wechsel ist durch sprachliche Stilmittel absolut gelungen und wunderbar umgesetzt.

Das Cover in einem dunklem Violett lässt ahnen, dass die Geschichte diesmal nicht nur in London spielt. Vor einem riesigen Vollmond hockt ein Gargoyle und im Hintergrund sehen wir den Eifelturm. 

Fazit:

Mehr davon
10 von 10 Sternen

Titel: Lilith
Reihe: Die uralte Metropole Band 2

Autor: Christoph Marzi
Illustration und Karte: Dirk Schulz
Verlag: Heyne, 687 Seiten

ISBN: 9783453521353

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